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| Begegnung mit der Deutschen GeschichteDie Pfalzkapelle in AachenWoher wir kommen - Wer wir sind Zum Virtuellen Grundstück bitte das Bild anklicken.
Mittelalterliche Herrscherkunst Von außen lässt sich der ursprüngliche Kern des Aachener Münsters unter den Ausbauten mehrerer Jahrhunderte kaum noch erkennen. Im Inneren öffnet sich jedoch ein über die Zeiten kaum veränderter Raum von epochaler geschichtlicher und kunstgeschichtlicher Bedeutung: die Pfalzkapelle Karls des Großen.
Die Pfalzkapelle ist ein steiler, achteckiger Zentralbau. Er wird auf zwei Geschossen von einem sechzehneckigen Umgang umschlossen und von einem Klostergewölbe überspannt. Der Kernraum des Oktogons (Achtecks) ist ein Arkadenraum, das heißt, er öffnet sich zu den Umgängen in Bogenstellungen. Das niedrige, untere Geschoss erscheint dabei wie ein Sockel für das höhere darüber, das dem Kaiser und seinem Gefolge vorbehalten war und daher besonders ausgezeichnet ist: Den hohen Arkadenbögen sind zwei Säulenstellungen übereinander eingefügt. Die einst vergoldeten Bronzegitter des Obergeschosses stammen aus der Erbauungszeit. Im Osten schloss sich das zweigeschossige Altarhaus mit den Altären für Christus und Maria an. Im Westen ist der Bau mit der Kaiserempore vorgelagert. Der Königs- und Krönungsthron des Reiches stets noch heute auf dem westlichen Umgang vor der Kaiserempore, mit direkter Sicht auf das gegenüber liegende Altarhaus. Vor dem Westbau der Kirche, der eine riesige Rundbogennische für den Kaiser aufwies, erstreckte sich der für feierliche Anlässe benutzte Hof, das Atrium. Ein neues Rom In Aachen sollte erstmals ein festes Zentrum für das fränkische Reich entstehen: ein zweites Rom in Rivalität mit dem oströmischen Byzanz. Als Architekt der Kapelle, dem Mittelpunkt der neuen Pfalz, wird Odo von Metz genannt. Das entscheidende Vorbild war die Kirche San Vitale in Ravenna, die Karl aus eigener Anschauung kannte und schätzte. Dieser doppelgeschossige Zentralbau entstand unter byzantinischer Herrschaft im zweiten Viertel des 6. Jahrhunderts und ist heute noch für seine Mosaiken berühmt, die unter anderem den byzantinischen Kaiser Justinian und seine Frau Theodora zeigen. Odo von Metz griff nun für die neue Aachener Kapelle motivisch auf San Vitale zurück. Hier wie dort handelte es sich um ein Oktogon mit Umgang, Empore und Obergaden (der durchfensterte obere Anschluss), mit Arkaden und Säulenstellungen sowie einer Wölbung. Einiges unterscheidet jedoch die beiden Bauten. So steht die Steilheit und Kantigkeit des Baus im deutlichen Gegensatz zu San Vitales Architektur. Vor allem aber gilt es zu beachten, wie der Architekt die Säulen aus Porphyr und Granit mit ihren Marmorkapitellen präsentierte, die eigens aus Ravenna und Rom herbeigeschafft wurden. Die kostbaren kaiserlich-antiken Materialien stehen für die Idee des "neuen Rom" und Karls Anspruch einer Legitimation in Anknüpfung an das antike Kaisertum. Vielleicht verzichtete der Architekt auf die in San Vitale ausschwingenden Arkaden der Oktogonkompartimente, um die symbolträchtigen Säulen besser zur Geltung zu bringen. Die übereinander gesetzten Säulenstellungen griffen jedenfalls ein bereits in der Antike bekanntes Würdemotiv wieder auf.
Rückgriffe und Nachfolge Die Kapelle war der erste gewölbte Bau nördlich der Alpen seit der Antike. Er entstand in einer völlig neuen Technik, bei der man sich erstmals einer Ringkonstruktion aus Eisen bediente. Die antikisch gestalteten, bronzenen Emporengitter und Türen wurden gegossen: Zum ersten Mal seit der Antike kommt diese Technik in Aachen wieder zur Anwendung. Neu war der Westbau mit der Thronanlage, der große Nachfolge finden sollte. Die Pfalzkapelle steht schließlich am Beginn einer langen Reihe zweigeschossiger Hofkapellen im mittelalterlichen Abendland. Selbst die Bezeichnung "Kapelle" hat ihren Ursprung in Aachen: zunächst bezeichnete man so den Mantel (lateinisch capella) des heiligen Martin, den dieser mit einem Bettler geteilt hatte; die Reliquie war kostbarer Besitz der fränkischen Könige geworden. Als capella wurden bald auch die Geistlichen bezeichnet, die den Reliquienschatz und das liturgische Gerät des Hofes in ihrer Obhut hatten, sowie schließlich der Ort des herrscherlichen Gottesdienstes.
Der Karlskult Mit der Bestattung des am 28. Januar 814 verstorbenen Karl des Großen in seiner Kirche wurde die Pfalzkapelle zur Grabeskirche und zum Ort der Verehrung des Reichsgründers. Vom 9. Bis zum 11. Jahrhundert wurden im Reich aus staatsideologischen Gründen zahlreiche Kirchen errichtet, deren Formen Bezug auf die Pfalzkapelle nahmen. Nachdem sich Otto der Große 936 in Aachen zum deutschen König krönen ließ, wurde Aachen zur Krönungsstätte. Die große Bedeutung der Kapelle erklärt, dass sie im Wesentlichen nie verändert, sondern nur durch Anbauten ergänzt und mit Kostbarkeiten beschenkt wurde. Um Karl den Großen entwickelte sich ein Kult, der bis zu seiner Ernennung zum Staatsheiligen führte. | |
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